Für Nyla, für Mogli, für den verrückten Kateronkel, für alle vernachlässigten Wildis...

...aber eigentlich für Euch Menschen:

Übernehmt Verantwortung, kastriert, kümmert Euch - und verzagt bitte nicht. Wir brauchen Euch!

Wer in diesen Abgrund von Qual, welche die Menschen über die Tiere bringen, hineingeblickt hat, der sieht kein Licht mehr;
es liegt wie ein Schatten über allem, und er kann sich nicht mehr unbefangen freuen.

- Albert Schweitzer

 

Was vereint die nicht einmal einjährige Katzenmutter, ihre sechs Kitten, einen muskelbepackten aber sehr traumatisierten Weißschwanzspitzenkater, einen vermissten Herzenskater, ein mal wieder über ebay Kleinanzeigen achtlos inseriertes Katzenmädchen?
Liebe Menschen haben sich gekümmert... und sind manches Mal auch fast verzweifelt.

Der folgende Text ist ein "offener Brief" der sechs Kitten an die Menschen.
Mama Clara Elaine ist mittlerweile kastriert und zieht zurück in den Garten. Die Minis werden in liebevolle Hände vermittelt. Der Brief schildert ihre "Gedanken" einen Tag nachdem sie von ihrer Mutter erfahren haben, dass ihr Vater gefangen und kastriert werden konnte.

Er ist aber viel mehr: Er ist ein Aufruf sich zu kümmern und die Hoffnung nicht zu verlieren.

 

Moin!

PAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAPPPPPPPPPPPPPPPPPPPPPAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA

Wir freuen uns so von Dir zu hören, denn Du warst uns ein echter Papa. Nicht wie die meisten Kater, die das wohl so handhaben, ein Mal Spaß und weg. Sondern Du warst bei uns dabei, hast mit uns gespielt und uns zum Fressen begleitet. Wir haben Dich sehr lieb und wünschen Dir von Herzen ein wunderbares Leben in Deinem und Mamas Garten.

Heute haben wir viel zum nachdenken.

Clara Elaine - mit nicht einmal einem Jahr schon Katzenmama.Nayeli & Lolly - Zwei der Lucky Seven

Mama hat uns was erzählt, das war uns neu. Sie hat uns erzählt, dass sie selbst mit ihrer Schwester und ihrer Mama als junge Katze in dem Garten aufgewachsen ist. Später war Mama dann alleine. Unsere Mama ist noch jung, noch kein Jahr alt, und war ganz schön erschrocken als wir alle aus ihr rausgeplumpst sind und dann noch so viele nicht nur zwei wie bei ihrer Mama. Sie hat in der ersten Zeit viel geweint, weil sie sich solche Sorgen gemacht hat, dass sie es nicht schafft, uns alle durch zubringen. Deswegen ist Mama auch so dünn. Mama gehört niemandem, somit ist sie heilfroh, dass die Menschen, in deren Garten sie uns aufgezogen hat, auf sie Acht geben wollen. Sie würde ihnen auch gerne mehr Danke sagen, sich vielleicht mal anfassen lassen. Aber das traut sie sich nicht, denn sie traut den Menschen nicht. Trotzdem weiß sie, dass nach ihr geschaut wird. Der istrische "Weißschwanzspitzenkater" RomeoUnd sie weiß, dass sie keine Babys mehr haben wird, das macht es ihr leichter. Mama wird zurück in den Garten ziehen. Sie hofft, Papa wieder zutreffen, denn sie haben sich gut verstanden. Ansonsten, sagt Mama, macht sie es sich eben schön, so wie sie es kennt, in einem Garten, mit Menschen, die nach ihr sehen. Mama sagt, dass sie zu den Katzen gehört, die es schwer haben, sie sind wild. Mama wünscht sich, dass viel mehr von ihnen kastriert werden, denn es sei sehr schwer, solche Gärten zu finden.

Deswegen schreiben wir Euch das hier, alle die hier lesen, damit ihr es weitererzählt. Unsere Mama Clara Elaine hat einen großen Wunsch: klärt die Menschen in Eurer Umgebung auf: Verantwortung übernehmen, wo andere versagen, sich kümmern und kastrieren, so wie es bei unseren Eltern jetzt gemacht wurde.

Wir waren überrascht, denn wir dachten es sei normal.
Normal, dass Babys von ihren Mamas in einem Garten geboren werden.
Normal, dass der Papa sich mit kümmert.
Normal, dass die Menschen, denen der Garten gehört, uns Futter hinstellen und auf uns aufpassen.
Normal, dass eben diese Menschen andere Menschen informieren, uns zu helfen.
Normal, dass die ganze Familie gefangen wird und die Eltern kastriert werden.
Normal, dass es Patentanten gibt, die das alles finanziell mitwuppen.
Normal, dass für uns Kleine Pflegestellen und Zuhause gesucht werden.
Normal, dass wir mit Mama zur Ruhe kommen dürfen…

Das alles finden wir normal und wenn das nicht normal ist, so wie Mama sagt, dann fragen wir Euch: warum nicht???

Der vermisste Herzenskater MogliDarüber denken wir jetzt nach und unsere kleinen Herzchen sind ganz schwer, denn unsere Welt ist eine andere und die wünschen wir uns für alle.

Unsere Pflegedosine hat uns von Nyla erzählt, gerade eben von einem Mogli, es sind noch soooo viele andere Namen gefallen... wir können das alles nicht verstehen.

Und heute Nacht kam der verrückte (so wird er hier genannt) Kateronkel Romeo an die Plexiglasscheibe und hat uns seine Geschichte erzählt. Wie er weit weg aufgewachsen ist mit seiner Mama und seiner Schwester. Wie er es nie geschafft hat, sich von seiner Mama zu trennen. Wie er mit seiner kleinen Familie gerettet wurde, wieder von Menschen die Verantwortung übernehmen. Wie er mit seiner Schwester hier auf Pflegestelle gelebt hat. Wie seine Schwester ausgezogen ist. Wie er langsam begonnen hat, zu vertrauen. Wie er heute noch urplötzlich eine Riesenangst bekommt und wie anstrengend sein Leben dadurch manchmal ist, obwohl er sich entschieden hat, hier Zuhause zu sein. Wie er allmählich beginnt, sich zu entspannen. Wie er sich in Pebbles verliebt hat. Wie er das erste Mal im Garten war...

Wir haben viel gehört, was wir nie vergessen werden. Wir haben viel gelernt, es gibt vieles was wir wohl nie verstehen werden.

Regenbogensternchen NylaDaher beginnen wir zu hoffen. Zu hoffen, dass die Geschichten von Mama und Onkel Romeo und all den anderen etwas bewirken...
Wir hoffen, dass ihr alle weiter Verantwortung übernehmt, obwohl es Geschichten gibt, die Euch hadern lassen.

Gebt Euch gegenseitig Kraft und gebt niemals auf. Da draußen sind viele, die auf Euch warten. Damit meinen wir nicht alle, das geht nicht, aber eben die, die auf Euch warten...

Wir gehen jetzt schlafen, denn es wartet ein neuer Tag auf uns. Ein Tag voller Sonne und voller Hoffnung.

Wenn wir aufgewacht sind, dann sind die Gedanken, die uns gerade traurig machen, verschwunden. Dann wird wieder gespielt und getobt... aber die Geschichten, die vergessen wir nicht.

Seid herzlich gegrüßt auch im Namen von Mama Clara Elaine
Nayeli und Amaro, Brianna und Feny, Lolly und Gavin

Herzlichen Dank an Mima, eine Netzwerkerin der ersten Stunde und die Pflegedosine der Lucky Seven, für das Schreiben dieses Textes!

 

Bildquellen: (von oben nach unten)
- Die nicht einmal einjährige Mutter Clara Elaine
- Nayeli und Lolly von den Lucky Seven
- Romeo, traumatisierter Weißschwanzspitzenkater aus Istrien
- Mogli, der absolut schmerzhaft vermisste Herzenskater
- Nyla, das Regenbogenmädchen: So kurz ihre Geschichte war, so sehr bewegte sie uns.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 07. Juli 2015 17:12